Die Stille nach einem Hund ist lauter als sein Bellen.
(unbekannt)
* 03.11.2011 † 15.01.2026
Balu wurde im April 2016 als Notfall in der Station abgegeben, nähere Infos zu ihm gab es kaum. Balu zeigte sich von Anfang an unnahbar, wenn ihm etwas nicht passte, Streicheln, Bürsten, … , schnappte er zu. Wir begannen, mit Balu zu arbeiten – und an uns zu arbeiten. Balu kommunizierte offen, er war immer klar in seinen Ansagen und ‘gut lesbar’, und so lernten wir viel von ihm, was den Umgang mit einer eher schwierigen Fellnase betrifft. Drei Jahre blieb Balu bei uns, manchmal wurden wir angesprochen, ob wir Balu aufgegeben hätten. Nein, das kommt für uns für keinen unserer Stationsbewohner in Frage, aber es musste, wie für jede zu vermittelnde Fellnase, passen. Nur: für einen Hund wie Balu passen eben nur sehr wenige Menschen – oder nur einer. Es musste dieser eine ganz besondere Mensch sein, der Balu wollte und den Balu wollte. Und dann nach fast drei Jahren kam dieser Mensch, Frau P., die einem schwer Vermittelbaren eine Chance geben wollte und dieser schwer Vermittelbare sollte Balu sein. Frau P. besuchte Balu ein paar Mal in der Station, brachte ‘Berater’ mit, die ihr von dem ‘Hundetyrann’ abrieten. Aber Frau P. wollte Balu und so viel Entschlossenheit beeindruckte Balu offensichtlich, er öffnete sich langsam und durfte dann im April 2019 umziehen. Auch zuhause, trotz Diskussionen, scheiterte Sturkopf Balu bei gewissen Regeln an seinem neuen Frauchen. Bereits nach einer Woche entspannte sich die Lage und für Balu begann die schönste Zeit seines Lebens: ein Familienleben mit Frauchen, Herrchen und zwei Hundekumpeln, Berg- und Skitouren, Wandern, Joggen, Ziehen vor dem Bike, Urlaub, Restaurants, Büro – und letztendlich fand er auch Gefallen am Gestreicheltwerden. Bis zum letzten Tag war er aktiv, und doch musste die Erlösung sein.
Nach dem Tod meines ersten Huskies Chadie, der sehr viele special effects hatte, wollte ich wieder einem schwerer vermittelbaren Nordischen eine Chance geben. Voraussetzungen waren: hundeverträglich, bergtauglich und irgendwie noch halbwegs im Rahmen der Leidensfähigkeit meiner besseren Hälfte. Ein Blick auf die NfP-Seite sagte mir, dass es Balu sein könnte. Der erste Eindruck war nicht schlecht, Balu schien mir recht handelbar. Beim zweiten Treffen mit Hundetrainer und den zukünftigen WG-Gspänlis benahm sich Balu ziemlich daneben, und es gab eine klare Empfehlung, diesen Hundetyrann nicht aufzunehmen. Überzeugt hat es mich nicht, das dritte Treffen war dann wiederum in Ordnung, die bessere Hälfte mäßig begeistert, aber Balu zog dann trotzdem ein. Die ersten zwei Wochen mit Hausleine ausgestattet, die Tüte haben wir grad daheim abgemacht, weil der arme Hund mäkelte. Die ersten Wochen hat der Drei-Sekunden-Futterinhalator tatsächlich gemäkelt, offenbar hatte er doch etwas Stress.
Balu wurde einfach mehr oder weniger direkt ins Bewegungs- und Sportprogramm integriert (das damals noch nicht ganz Vollgas war, da Ferry noch Junghund war), am zweiten oder dritten Tag kam er dann direkt auf Skitour mit, was er recht lustig fand, aber dann auch bedient war. In der ersten Woche hat es dann auch gleich mal gewittert nachts, und Balu wollte dann kurzerhand unter die Bettdecke. Leicht mulmige Gefühle wurden beiseitegeschoben und er benahm sich anstandslos.
Die ein oder andere Diskussion hatten wir durchaus und er hat verstanden, dass es ein paar Regeln gibt, die nicht zur Diskussion stehen. Insgesamt scheint er aber irgendwann beschlossen zu haben, dass ihm das Bespaßungsprogramm, genügend Rückzugsmöglichkeiten und die zwei Kollegen gut taugen.
In den nachfolgenden Jahren war er überall dabei, auf Skitouren, Bergtouren, in den Ferien, beim Joggen, Laufen, in der Beiz und vor Corona sogar im Büro. Irgendwann hat er sich auch von Fremden angrabbeln lassen oder sie ansonsten angebrummt, wenn er gerade nicht wollte.
Er war insgesamt ja ein sehr kommunikativer Hund, alles wurde von ihm kommentiert und auch schnell gemeckert, nicht schnell genug Fressen, nicht schnell genug raus, schau ein Jagdobjekt usw. usf. Er hatte deshalb schnell Spitznamen wie ‘Tussi’, ‘Blubbsi’, ‘Schnecki’ und ‘Cheerleader’, weil er die anderen Zwei immer aufstachelte, aber gern dahinter stand.
Letzten Frühsommer schnaufte er lauter respektive schnorchelte etwas, war aber immer noch fit, motiviert und dabei. Umfassende Abklärungen ergaben nichts außer ein minimal zu langes Gaumensegel. Über den Sommer wurde das langsam schlechter, im Herbst schien das Gaumensegel noch etwas länger und man hat das etwas gekürzt. Gebracht hat es leider nichts. Es fingen dann ab und zu sehr kurze Aussetzer von Atemnot an bei weiterer Verschlechterung. Eine dritte umfassende Abklärung hat wieder nichts ergeben, obwohl wir es sogar direkt reproduzieren konnten. Scheinbar eine neurologisch bedingte gelegentliche Kehlkopflähmung, Ursache bzw. Auslösemechanismus unbekannt. Entsprechende Medikamentenversuche zeigten keine Wirkung. Nachdem er dann aus dem Nichts heraus eine 15-minütige Episode hatte mit anschließender Verschlechterung, haben wir uns ein paar Tage später entschieden, ihn gehen zu lassen. Typisch Husky war er bis zum Schluss sehr umweltinteressiert und auch fressmotiviert, aber Atemnot wünscht man ja keinem und es hat ihn auch sichtlich angestrengt. Seither ist es sehr viel stiller geworden, niemand, der kommentiert, er fehlt uns.
Was bleibt sind viele schöne Erinnerungen, gemeinsame Erlebnisse und Dankbarkeit für die gemeinsame Zeit.
An dieser Stelle ein Dankeschön an euch, die das Vertrauen hatten, dass wir das mit diesem Langzeitsitzer schon hinbekommen und ein Danke an meine bessere Hälfte, die das mitgetragen hat trotz größerer Bedenken und sich auch jederzeit um die Vierbeiner kümmert, wenn es bei mir nicht geht. Danke.

Liebe Frau P, wir bewundern immer noch Ihre Entschlossenheit, mit der Sie Balu in Ihre Familie aufnehmen wollten, trotz aller Widerstände, auch von ‘Hundeexperten’. Sie und Balu haben gezeigt, dass man vieles erreichen kann, wenn man es definitiv will. Wir sind Ihnen unendlich dankbar, dass Sie Balu so ein schönes Leben geschenkt haben. Er hat auf Sie gewartet, und Sie haben ihn gefunden. Wir wünschen Ihnen viel Kraft für die Trauer und dass bald die Erinnerungen an das ‘olle Motzi’ wieder ein Lächeln in Ihr Gesicht zaubern.
Das Team der Nothilfe für Polarhunde
